Der Rompilgerweg des Abtes Albert von Stade

Noch ein Pilgerweg ?

Das war der meist ablehnend zu verstehende Ausruf, wenn ich mich wieder mal bei Offiziellen oder Wanderern nach gangbaren Wegen für die künftige Via Romea, den Rompilgerweg des Abtes Albert von Stade,  erkundigte. Denn als Streckenbeauftragter des „Fördervereins Romweg Abt Albert von Stade e. V.“  war und bin ich zuständig für den Pilgerweg auf der Strecke von Bad Langensalza in Thüringen bis zur Österreichischen Grenze bei Mittenwald.
Ja, noch ein Pilgerweg. Vielleicht ist er sogar einer der ältesten, der Pilgerweg aus dem Norden Europas nach Italien, und vor den Kreuzzügen sogar von Süditalien weiter nach Jerusalem.
Schon vor 2000 Jahren, während der Besetzung von Teilen Germaniens durch die Römer, zogen Krieger und Händler über die Straßen zwischen Italien und Norddeutschland. Deswegen erscheint uns der Weg nach Rom als etwas normales, als ein Weg, über den man eigentlich kein Wort mehr zu verlieren braucht. Im Gegensatz dazu der Jakobusweg, der neben seinem mystischen Hintergrund auch durch für Mitteleuropäer wenig bekannte Regionen führt.
Wer bislang nach einem Pilgerweg durch Deutschland nach Rom suchte, der war -  zumindest bis 2013 - auf eigene Nachforschungen angewiesen. Doch dank meiner Initiative und der des „Fördervereins Romweg Abt Albert von Stade“ gibt es jetzt in Deutschland einen gangbaren Fußpilgerweg von der Elbe bis zur österreichischen Grenze.

Der Pilgerweg durch unsere heutige Landschaft

Die Festlegung des genauen Verlaufs des Pilgerweges heute ist trotz der Etappenangaben Abt Alberts nicht ganz einfach. Einerseits soll die Route möglichst genau dem historischen Verlauf folgen, andererseits sollen Wege gefunden werden, die abseits der Autostraßen verlaufen, die dann auch noch möglichst fußfreundliche Naturwege sein sollen. Außerdem sollten es schon als Wanderwege markierte Routen sein, denn völlig neue Wanderrouten ausweisen möchte man nur ungern. Nun, jeder wird einsehen, dass da einige Kompromisse zu machen waren.
Am meisten freut es mich, dass es mir und meinem für die Streckenfindung im nördlichen Abschnitt von Stade bis Bad Langensalza zuständigen Kollegen gelungen ist, fast ausschließlich autofreie Wege oder verkehrsarme Ortsverbindungen zu finden. Auf stark befahrenen Straßen laufen zu müssen, wie es z. B. auf der Via Francigena häufig vorkommt, das muss man auf der Via Romea in Deutschland nicht befürchten.

Die Via Romea ist ein Weg, an dem sich kulturhistorisch bedeutende Städte und Bauten sowie spirituelle Stätten „wie Perlen auf der Schnur reihen“. Ein Weg, auf dem viele der herausragenden Sehenswürdigkeiten einst auch schon von den Pilgern des Mittelalters bestaunt worden sind.

„Erstbegehung“ der heutigen Via Romea im Frühsommer 2013

Da seit Ende letzten Jahres die Strecke des künftigen Rompilgerweges fest stand, konnte der Förderverein mit Unterstützung zahlreicher Wander- und historischer Vereine, darunter waren auch fünf Zweigvereine des Rhönklubs, eine Art Stafettenwanderung auf der Via Romea organisieren. Sie begann am 22. Juni in Stade und endete nach 43 Etappen am 3. August in Mittenwald. Dabei wurde ein Abtstab von Etappenort zu Etappenort weiter gereicht.

Die Etappen im Bereich des Rhönklubs waren: Schmalkalden > Meiningen > Mellrichstadt > Bad Neustadt > Münnerstadt > Schweinfurt > Bergtheim > Würzburg. Der Weg führte auf der Hohen Straße von Schmalkalden nach Walldorf, dann auf dem Meininger nach Dreißigacker, auf örtlichen Wanderwegen (grüner Balken bzw. grünes Dreieck) über Sülzfeld und Henneberg zur Schanz, wo derzeit (07/2013) der Beginn der Markierung der Route als Rompilgerweg ist. Bis Münnerstadt ist die Route gegenwärtig als Via Romea-Fußpilgerweg (mit weißer Schrift), und bis Aub (LK Würzburg) als Via Romea-Radwanderweg (mit grüner Schrift) mit ihrem Zeichen markiert. In 2014 soll die Fußpilgerroute auch in den Landkreisen Schweinfurt und im nördlichen Teil des LK Würzburg durchgehend markiert werden. Auch von Würzburg-Lengfeld (Kreisgrenze) bis Rothenburg ist sie bereits mit dem Fußpilgerzeichen versehen.  

Der aktuelle Pilgerführer für die Via Romea

Für den Abschnitt von Gotha bis Innsbruck gibt es mittlerweile den Pilgerführer: „Der mittelalterliche Pilgerweg nach Rom – unterwegs auf der Via Romea vom Thüringer Wald zu den Alpen“. Erschienen im Eigenverlag ISBN 978-3-00-042178-5.
Erhältlich in Buchhandlungen oder direkt zu bestellen bei Jochen Heinke, 97647 Stetten, Lehmgrube 15 bzw. per Email unter jochen.heinke@t-online.de

Eine knapp 20seitige Einleitung informiert die Pilger über die Entstehung der Rompilgerschaft, über die Pilgerrouten nach Rom sowie über die Reise Abt Alberts nach Rom im Jahre 1236. Am Ende der 28. Etappe in Innsbruck übergibt Jochen Heinke den Pilgerstab an den Autor des Buches „Der Pilgerweg nach Rom“, der die Anschlusswege von Innsbruck bis Rom beschreibt.  Den Abschluss des Buches bildet zur individuellen Planung der Tagesetappen das umfangreiche Übernachtungsverzeichnis mit mehr als 450 Kontaktadressen in den Kategorien Privatanbieter, Pensionen und Hotels sowie die Kontaktdaten aller Tourist-Informationen am Weg.  Pilger „per Pedales“ können mithilfe der 21, im Kapitel „Mit dem Fahrrad auf der Via Romea“ aufgeführten, überwiegend beschilderten Streckenabschnitte, die Pilgerroute mit dem Fahrrad befahren. Und durch Satellitennavigation können sich sowohl Fußpilger wie  Radler unterwegs leiten lassen: Es stehen die entsprechenden Daten in Form von GPX-Dateien zur Verfügung. Und für die die Fortsetzung von Innsbruck gibt es im Tyrolia Verlag den entsprechenden Pilgerführer. Weiterführende Informationen zur Via Romea und zu anderen Pilgerwegen wie auch allgemein zu historischen Straßen finden Sie unter www.unterwegs-auf-alten-strassen.de

 

Die GPS-Tracks des Buches:

Gotha - Rothenburg

Rothenburg - Innsbruck

 

 

Der Hochrhöner

Der Hochrhöner ist der wichtigste Weitwanderweg in der gesamten Rhön. Er zieht auf einer Länge von mehr als 175 km in Nord-Süd-Richtung über die Höhen der Rhön. Dabei überquert er die Ländergrenzen Bayerns, Hessens und Thüringens. Er wurde vom Deutschen Wanderinstitut als Premiumwanderweg ausgezeichnet.

Er beginnt in Bad Kissingen, läuft von dort durch die Südrhön mit den Schwarzen Bergen, erklimmt den Kreuzberg und den Himmeldunkberg und führt über den Schwedenwall zum Roten Moor. Dort teilt er sich auf:

Die östlich verlaufende "Route Lange Rhön" führt vorbei am 

Roten Moor, über den Heidelstein–Schwarzes Moor–Frankenheim/Rhön–Ellenbogen (Rhön)–Eisenacher Haus–Kaltenwestheim–Mittelsdorf–Oberhalb des Rhönstädtchens Kaltennordheim–Hexenlinde bei Klings–Horbel–Andenhausen

Die westlich verlaufende "Route Kuppenrhön" führt vom Roten Moor zur Wasserkuppe, weiter über Abtsroda–Enzianhütte–Milseburg–Langenberg–Gotthards–Habel–Tann–Horbel-Andenhausen.

In Andenhausen treffen beide Routen wieder aufeinander und es geht über den Gläserberg, durch den Ibengarten, über die Bernshäuser Kutte, den Pleß, die Kleine Pleßspitze und Langenfeld nach Bad Salzungen.

Als "Zubringer" in seinem gesamten Verlauf dienen 20 "Extratouren" , die als Rundtouren ausgebildet aus den Tälern und Tallagen zum Hochrhöner hinauf  führen. Sie heißen:

Kuppenweg, Hochrhöntour, Hüttentour, Königsweg, Kreuzbergtour, Museumstour, Bassaltweg, Tour de Natur, Mühlentour, Haubentour, Der Hilderser, Kegelspiel, Milseburg, Rotes Moor, Guckaisee, Keltenpfad, Point-Alpha-Weg, Vorderrhönweg, Gebaweg, Der Meininger,

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